Ein Koffer, in dem einzelne Päckchen mit Drogen zu sehen sind. (Foto: Zoll)

Zoll beschlagnahmt Dopingsubstanzen

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Dieser Artikel stammt aus dem Archiv des Blogs "hirn-sturm.de", den Wissenschaftsjournalismus-Studierende der h_da im Rahmen eines Vorgängerprojekts geschrieben haben. Weitere Informationen.

Die Einfuhr von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist in Deutschland strikt verboten. Dennoch versuchen Schmuggler, diese trickreich durch die Zollkontrollen an Grenzübergängen und Flughäfen zu schleusen. Der Zoll beschlagnahmt Jahr für Jahr Millionen von Medikamenten. Unklar ist, wie viele Neuro-Enhancer sich darunter befinden.

Da die Risiken und Nebenwirkungen ausländischer Medikamente oft nicht einzuschätzen sind, ist deren Einfuhr gesetzlich streng geregelt. Wer trotzdem ein Medikament aus dem Ausland beziehen muss, benötigt die Verschreibung eines Arztes. Außerdem kann das Präparat ausschließlich bei einer ausländischen Apotheke bestellt werden. Trotz dieser Richtlinien stößt der Zoll bei Kontrollen auf viele verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne nachgewiesenes Rezept. Auf der vergangenen Zolljahrespressekonferenz in Berlin wurden Daten veröffentlicht, die auch über sichergestellte Arzneimittel Auskunft liefern. So wurden laut dem Zoll im Jahr 2011 knapp 3,5 Millionen Tabletten und 307.000 Ampullen bei Kontrollen gefunden. 2010 wurden sogar 14,5 Millionen Ampullen sichergestellt – nach Angaben des Zolls alle mit Dopingsubstanzen. 2011 stellte der Zoll in 180.000 Tabletten und 121.000 Ampullen Dopingsubstanzen fest.

Es gibt keine Detailangaben, ob die beschlagnahmten Medikamente leistungssteigernde Effekte auf das Gehirn hatten. Zwar werden Dopingsubstanzen in der Statistik separat hervorgehoben, jedoch ist anhand der öffentlich zur Verfügung stehenden Informationen nicht erkenntlich, um welche Substanzen es sich handelt. Anhand der Erfolgsmeldungen, die im Pressebereich der offiziellen Internetseite des Zolls zu finden sind, handelt es sich hier oft um Anabolika, potenzsteigernde Mittel und Nahrungsergänzungspräparate.

Wolfgang Schmitz, Sprecher des Zollkriminalamtes, interpretiert die vorliegenden Daten so: „Die Anzahl der insgesamt sichergestellten Arzneimittel lag 2005 noch bei lediglich 500.000 Tabletten – insofern gibt es im Bereich der Arzneimittelkriminalität seit 2005 eine deutliche Steigerung.“ Schmitz bedauert, dass keine weiteren Details vorliegen. Der Zoll habe sein Auge vor allem auf das Sportdoping gerichtet.

Doch auch bei Neuro-Enhancern gilt die Warnung des Zolls vor Dopingsubstanzen aus dem Ausland: „Von der Einnahme von Medikamenten, die aus nicht kontrollierten, dubiosen Quellen stammen, sei dringend gewarnt. Diese Mittel sind häufig nicht nur unrein, sondern fast immer gefälscht. Sie können außerdem giftige Substanzen enthalten.“

Text: Christoph Schön