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Wo ist der Hype? Hirndoping in den Printmedien

Doreen Reifegerste und Markus Schäfer beleuchteten in ihrem Vortrag auf dem Symposium NEIBA, wie die großen Printmedien in Deutschland über pharmakologisches Neuro-Enhancement berichten, und wie stark ethische Gesichtspunkte in die Berichterstattung einfließen.

 

Auch wenn sich die Rolle der Massenmedien im Zeitalter des Internets rasch ändert, bleiben die großen Printmedien Meinungsmacher in Deutschland. Dr. Doreen Reifegerste (Universität Jena) und Markus Schäfer (Universität Mainz) beleuchten das Thema Neuro-Enhancement aus der Perspektive der Medienwissenschaft. Ihre Fragen: Gibt es einen Hype? Und wo bleibt die Ethik?
Um die erste Frage zu beantworten, haben Reifegerste und Schäfer die zehn auflagenstärksten deutschen Magazine und Zeitungen untersucht – in einem Zeitraum von zehn Jahren. Das Ergebnis: Ganze 109 mal berichteten die Print-Flaggschiffe über Neuro-Enhancement. Kein Hype, nirgends. Denn, wie Reifegerste kommentiert, „manche Themen kommen in der gleichen Auswahl 10.000 mal vor“.
Bei der Untersuchung der konkreten Texte zeigte sich: meistens handelt es sich um verhältnismäßig lange Stücke, in denen auch Experten zu Wort kommen. Ein Artikel enthält im Schnitt zwei (genau: 2,1) ethische Aspekte. Doch in über einem Viertel der untersuchten Artikel (28,4%) werden keine ethischen Gesichtspunkte erwähnt.

Weg vom Text, hin zum Schreiber: In einem zweiten Schritt führen Schäfer und Reifegerste Qualitätsinterviews mit 30 ausgewählten Journalisten. Die Gesprächspartner sind überwiegend im Printbereich tätig. Obwohl die Befragungen noch nicht vollständig abgeschlossen sind, zeigt sich schon jetzt: Die befragten Journalisten stehen dem Neuro-Enhancement überwiegend neutral bis kritisch gegenüber. Sie begegnen dem Thema abwägend, vergleichen Wirkung und Nebenwirkungen von Präparaten.

Schließlich stellt sich noch die Frage, wieso so viele Artikel ohne ethische Gesichtspunkte bleiben, wo doch der Medikamentengebrauch als „Hirndoping“ hoch umstritten ist. Schäfer und Reifegerste nennen mehrere Möglichkeiten: Die Journalisten können nach Abwägung der Vor- und Nachteile zu einem positiven Fazit kommen, oder sie erachten die gefundenen ethischen Implikationen für irrelevant oder eher unproblematisch.

 

Robert Hofmann