Unter Druck – zur Verbreitung des Neuro-Enhancement

Im Rahmen des NEIBA-Symposiums an der Hochschule Darmstadt präsentierte Dr. Uwe Rose von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) eine Studie zur Verbreitung pharmakologischen Neuro-Enhancements.

 

Vier Berufsgruppen, über 4000 Teilnehmer und eine Grundfrage: Wie viele von ihnen greifen zu Neuro-Enhancern? Für die Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) wurden Ärzte, Programmierer, Werbefachleute und Publizisten befragt. Probanden in diesen Berufen arbeiten überdurchschnittlich viel, sind konfrontiert mit Stress und Druck. Und daher prädestiniert für die Einnahme von Neuro-Enhancern.

Schritt für Schritt näherte sich der Fragebogen der Studie dem sensiblen Thema an: Haben Sie schon einmal von Neuro-Enhancern gehört? Kennen Sie Menschen, die zu Neuro-Enhancern greifen? Schließlich wurde abgefragt, ob die Teilnehmer selbst Neuro-Enhancer benutzt haben – in ihrem Leben, im letzten Jahr, in den letzten vier Wochen. Am Ende dieser Befragung steht eine Zahl: 1,25 Prozent, oder jeder Achtzigste. So viele der Befragten haben in den vier Wochen vor der Befragung zu Neuro-Enhancern gegriffen. Kein Massenphänomen also. Immerhin acht Prozent hatten mindestens einmal im Leben die Mittel eingenommen.

In einer zweiten Phase sollten 700 der Teilnehmer ein Tagebuch über Arbeitsbelastung und eine mögliche Substanzeinnahme führen. Abschließend befragten die Forscher 30 Konsumenten von Neuro-Enhancern in Tiefeninterviews. Dabei ging es vor allem um die Frage, warum die Mittel   eingenommen werden.

Das Ergebnis: Oft nahmen die Befragten punktuell Neuro-Enhancer, in Situationen mit hohem Druck. Das Motiv sei, den Anforderungen standzuhalten, weniger, sich selbst zu verbessern. Hier zeigte Dr. Uwe Rose gegen Ende seines Vortrages einen interessanten Kontrast zur ursprünglichen Definition des Neuro-Enhancement auf: Das Wort “Enhancement” impliziert eine Verbesserung der geistigen Fähigkeiten über das Natürliche hinaus, bis hin zur Auflösung des Menschenbegriffs im Transhumanismus. Die Motive in der BAuA-Studie sind jedoch weitaus profaner: Leistungserhalt statt -steigerung. Keine Selbstmedikation zu übermenschliche Fähigkeiten, sondern punktuell eingesetzte Mittel zum Zweck. Trotz der relativ geringen Prozentzahl der Neuro-Enhancer-Einnahme in der Studie empfiehlt die BauA, das Problem ernst zu nehmen und in Betrieben Prävention zu betreiben.

 Robert Hofmann