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Ritalin® und unser Gehirn

Methylphenidat, bekannt als Ritalin®, ist mittlerweile viel mehr als ein ADHS-Medikament. Es hat sich als Neuro-Enhancer bei einigen SchülerInnen, StudentInnen und ArbeiternehmerInnen etabliert. Es soll die kognitive Leistung steigern, beim Lernen helfen und Ergebnisse besser werden lassen. Eigenschaften, die (scheinbar) Wunder versprechen.

Momentan ist weder die genaue Wirkung der Substanz bekannt, noch gibt es dazu Langzeitstudien.

Forscher gehen davon aus, dass durch die Einnahme von Methylphenidat nur die Aufmerksamkeit steigt, jedoch nicht die Merkfähigkeit. Das heißt: Das Gelernte kommt nur im Kurzzeitgedächtnis an, aber schafft es nicht ins Langzeitgedächtnis. Stattdessen gewöhnt sich das Gehirn allmählich an die Substanz – der positive Effekt nimmt nur kurz zu und ebbt mit der regelmäßigen Einnahme ab. Vergleichbar mit der Wirkweise von Kaffee. Man müsste die Dosis steigern, um die Wirkung aufrechtzuerhalten.

Laut Boris B. Quednow, Pharmakopsychologe an der Universität Zürich, könnte die Leistungsfähigkeit nach Absetzen der Substanz sogar sinken. Man sei bloß motivierter und überschätze das eigene Können, die Prüfungsleistung steige aber nicht. Wer sich erhofft, mittels Ritalin® seinen IQ aufzubessern, wird hier enttäuscht.

In dem Magazin „Gehirn und Geist“ wird auf eine Untersuchung von Mathias Berger und Claus Normann, zwei Psychiater von der Universitätsklinik Freiburg, verwiesen. Diese analysierten mehrere Studien zur Wirksamkeit von Neuro-Enhancern, darunter auch Methylphenidat. Bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS wirke das Medikament zuverlässig. „Kontrollierte Studien ergaben allerdings bei Gesunden keine eindeutige Verbesserung kognitiver Fähigkeiten“. Eine Untersuchung zeigte sogar, dass junge Erwachsene unter Einfluss von Methylphenidat nur beim ersten Mal komplexe räumliche Aufgaben besser lösen konnten. Beim zweiten Mal schnitten die Placebo-Probanden besser ab. „Ritalin könnte das Lernen bei Gesunden langfristig also sogar behindern.“

Natalie Antoni