Eine orangefarbene Laufstrecke mit weiß eingezeichneten Bahnen. (Foto: Pixabay)

Rennen werden im Kopf entschieden

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Dieser Artikel stammt aus dem Archiv des Blogs "hirn-sturm.de", den Wissenschaftsjournalismus-Studierende der h_da im Rahmen eines Vorgängerprojekts geschrieben haben. Weitere Informationen.

Lässt sich auch das Selbstbewusstsein eines Sportlers mit Medikamenten genauso beeinflussen wie Muskelwachstum oder Sauerstoffversorgung? Stimulanzien können bei Sportlern den nötigen Kick liefern, um das Letzte aus sich heraus zu holen. Deswegen zählen sie zu den verbotenen Substanzen der Welt-Antidoping-Agentur.

Im Profisport zählt Leistung – Stärke, Schnelligkeit, Ausdauer. Professionelle Sportler trainieren hart, um im entscheidenden Moment der Beste zu sein. Doch was ist, wenn der Schnellste, Stärkste oder Ausdauerndste seine Leistung im Wettkampf nicht abrufen kann, beispielsweise weil er unter zu hohem Druck steht? Nervosität und Anspannung können die Leistungsfähigkeit eines Athleten beeinflussen und entscheidend für ein Ergebnis im Wettkampf sein.

Die Liste der verbotenen Dopingsubstanzen wird von der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) festgelegt. Der WADA-Code ist das grundlegende Regelwerk in Bezug auf Doping im Sport.

Eine konkrete, kurze Definition von Doping ist schwierig, da es oft Grauzonen gibt, zum Beispiel bei Nahrungsergänzungsmitteln. Die bekanntesten Dopingsubstanzen sind jene, die das Muskelwachstum fördern, den Sauerstofftransport im Blut erleichtern oder Schmerzen unterdrücken.

Gedoptes Selbstbewusstsein

Laut der Internetseite der Deutschen Fechterjugend ist Doping „sinngemäß alles, was jenseits der natürlichen Möglichkeiten liegt und meistens mithilfe von Medikamenten und Aufputschmitteln“ eine bessere Leistung bewirkt. Dazu gehören also auch Substanzen, die „über Ermüdung und Überlastung hinwegtäuschen“ und „Selbstvertrauen ins Unermessliche erhöhen“.

Die deutsche nationale Antidopingagentur (NADA) veröffentlicht jährlich eine Liste, in der alle Stoffe und Methoden aufgeführt sind, die bei Besitz oder Anwendung durch einen Sportler als Doping eingeordnet werden. Die meisten der aufgeführten Stoffe stammen aus dem medizinischen Bereich und sind dort bei korrekter Anwendung sehr nützlich.

Eine von der NADA genannte Substanzgruppe sind die Stimulantien. Dazu gehören unter anderem die sogenannten Ephedrine und die Amphetamine. Besonders bekannt ist der Wirkstoff Methylphenhydat (Ritalin). Diese Mittel steigern die Konzentration und machen wacher. Sie sind laut NADA „im Wettkampf verboten“. Das bedeutet, sie dürfen in einer Dopingkontrolle, die im Rahmen eines Wettkampfes durchgeführt wird, nicht nachgewiesen werden. Im Training werden Sportler nicht auf Stimulanzien getestet.

Joachim Laun ist Antidoping-Beauftragter des Deutschen Fechterbundes. Seiner Meinung nach ist die Leistung im Wettkampf nicht nur von der körperlichen Fitness, sondern auch vom Stimmungsbild des Sportlers abhängig. „Mit solchen Substanzen lassen sich Reserven abrufen, an die man ohne vielleicht nicht kommen würde“, sagt Laun. Mit der Einnahme von Stimulanzien werden Sportler also nicht nur aufgeputscht, es ändere sich auch die persönliche Selbsteinschätzung. „Bei einem Langstreckenläufer kann das mit der richtigen Dosierung durchaus zu einem besseren Ergebnis führen.“

Wichtig sei aber, betont Laun, dass man immer erst die körperlichen Grundvoraussetzungen mitbringen müsse. Mit einer stimulierenden Substanz allein lasse sich kein gutes Ergebnis erzielen. „Es kann aber den entscheidenden Kick verursachen.“

Kein Mittel ohne Nebenwirkung

In Sportarten wie dem Fechten oder Schießen kommt es viel mehr auf Konzentration als auf Ausdauer und Kraft an. Könnten Stimulanzien da nicht zu einer erheblichen Leistungssteigerung führen? Joachim Laun ist skeptisch. „Es ist denkbar, dass man auch im Fechten versucht, mit aufputschenden Mitteln ein besseres Ergebnis zu erzielen“, bestätigt  er. Allerdings sei bei dieser Sportart ein ausgewogenes Verhältnis von Balance, Abwarten  und Angriff notwendig. „Selbstüberschätzung ist da eher kontraproduktiv.“

Denn so wie alle Dopingmittel haben auch stimulierende Substanzen Nebenwirkungen. Die im Schießen eingesetzten Beta-Blocker können zwar ein Zittern unterdrücken, verschlechtern dafür jedoch die Feinmotorik.

Wie bei vielen Dopingmethoden ist der eigentliche Nutzen geringer als die Nebenwirkungen. Das gilt auch für Stimulanzien. Eine veränderte Wahrnehmung der Leistungsfähigkeit kann zu Überschätzung und damit auch zu Überlastung führen. Die Sportler können ihre eigene Belastungsgrenze dann nicht mehr erkennen. Im Fechten muss die Selbstüberschätzung zwar keine gesundheitlichen Folgen haben, wer allerdings zu angriffslustig ist, riskiert bei einem vorschnellen Angriff, selbst einen Treffer zu kassieren.

Text: Claudia Baier