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Religionen im Rauschzustand

Hinweis
Dieser Artikel stammt aus dem Archiv des Blogs "hirn-sturm.de", den Wissenschaftsjournalismus-Studierende der h_da im Rahmen eines Vorgängerprojekts geschrieben haben. Weitere Informationen.

Seit Jahrhunderten versuchen Menschen, mit Präparaten wie Kaffee, Alkohol oder Rauschmittel ihr Bewusstsein zu erweitern. Welche Hinweise finden sich in den alten Schriften der großen Weltreligionen?

Hinduismus

In der Rigveda, einer der heiligen Schriften des Hinduismus, wird Soma erwähnt. Das ist ein Rauschtrank, der einen spirituellen Zugang ermöglichen sollte. Das Getränk soll bei Priestern Visionen der Götter hervorgerufen haben.  „Trink doch, Indra, Gott des Kúsika, unseren Soma, dich berauschend!“ ([1-10] An Indra). Soma wird aus dem Saft der Somapflanze hergestellt.  „Diese Somasäfte sind mit saurer Milch gemischt – kommt her – die ausgepressten sind mit saurer Milch gemischt.“ ( [1-137] An Mitra und Varuna) Heute jedoch spielt Soma im Leben der Hindus keine Rolle mehr.

Judentum

Im Judentum und der Thora gibt es wenige Hinweise auf Rauschmittel. Einige Stellen weisen jedoch auf mögliche Halluzinationen hin. Zum Beispiel vertreten manche Wissenschaftler eine Theorie über die „Mazze“. Mazze bezeichnet Brot, welches aus ungesäuertem Teig gebacken wird und in der Sonne gärt. Bei diesen chemischen Prozessen könnten psychoaktive Substanzen entstanden sein.

Christentum

Es gibt mehrere Passagen im neuen Testament, in denen Alkohol genannt wird. Er hat jedoch vor allem als Symbol eine Bedeutung: Wein soll das Blut Christus sein und nicht dazu dienen, einen Rausch zu erlangen. „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut,“ das waren die Worte von Jesus beim Abendmahl (Lukas 22, 20). Die frühen Christen waren gehalten, sich von Stoffen, die einen Rauschzustand bewirken, fern zu halten. „Und trinkt euch keinen Rausch an, denn übermäßiger Weingenuss führt zu zügellosem Verhalten. Lasst euch vielmehr vom Geist Gottes erfüllen.“ (Epheser 5, 18)

Buddhismus

800 vor Christus soll Buddha sich auf seinem Weg zur Erleuchtung von Hanfsamen ernährt haben. Seitdem steht der Buddhismus Rausch und Ekstase zwiespältig gegenüber. Der Mensch soll durch Ausprobieren der unterschiedlichen Lehren eigene Erfahrungen sammeln. Im Gegensatz zu anderen Religionen soll er nicht nur an höhere Mächte glauben – er soll besser meditieren. Der Zen-Buddhismus erlaubt es im Gegensatz zu den anderen Richtungen der Religion, durch Rauschmittel eine Erhellung zu erfahren.

Islam

Der Koran, die heilige Schrift des Islams, verbietet die Einnahme von Rauschmitteln und Alkohol. „Oh ihr, die ihr glaubt! Siehe, Berauschendes, Glücksspiele, Opfersteine und Lospfeile sind ein Gräuel, Satans Werk. Meidet sie, auf dass es euch wohl ergehe.“ (Sure 2:90). Eine Ausnahme macht die Religion, wenn Opium oder ähnliche Drogen als Medizin für kranke Menschen eingesetzt werden. Ansonsten lassen sich keine Stellen finden, in denen Substanzen eingenommen wurden, um das Bewusstsein zu verändern. Der Islam sieht Rauschzustände als Gefährdung für den Menschen, vom richtigen Weg abzukommen.

In der Religion kam es im siebten Jahrhundert zu großen Spaltungen unter den Muslimen. Eine Richtung bilden die Sufis. Sie nahmen und nehmen es mit dem Rauschmittelverbot nicht so genau. Durch praktische Aufgaben wollen sie Allah näherkommen. Einige von ihnen greifen daher noch heute zu Hanfpräparaten.

Text: Nadya Jalali