Foto: 20th Century Fox

Planet der Affen – Prevolution: Neuro-Enhancement statt Evolution

Hinweis
Dieser Artikel stammt aus dem Archiv des Blogs "hirn-sturm.de", den Wissenschaftsjournalismus-Studierende der h_da im Rahmen eines Vorgängerprojekts geschrieben haben. Weitere Informationen.

Mit neuen Errungenschaften in der Wissenschaft verändert sich die Science Fiction und so wird im Prequel zu “Planet der Affen” Neuro-Enhancement zum Verhängnis der Menschheit.
Unsere nächsten Verwandten im Tierreich rebellieren in dem Film nach Versuchen mit einer Gehirn-Therapie gegen die Unterdrückung durch die Menschen.

 

In der Forschung geht alles sehr langsam voran und so kann sie oft nicht mit dem Wissensdurst der Menschen Schritt halten. Dieses Vakuum nutzt die Science Fiction, um Leser, Hörer oder Zuschauer zu begeistern. Während 1593 Science Fiction mit Johannes Keplers Buch “Somnium” (“DerTraum”), das sich um eine Reise zum Mond dreht, noch in den Kinderschuhen steckte, kennt sie heute keine Grenzen mehr. Science Fiction funktioniert umso besser, wenn wir Elemente aus unserem Alltag darin wiederentdecken. So werden oft aktuelle Themen als Grundlage für einen Film oder ein Buch verwendet und weitergesponnen.

Im Film „Planet der Affen – Prevolution“ werden Schimpansen als Versuchstiere für eine Alzheimer-Gentherapie eingesetzt, die durch eine Virusinjektion in den Körper funktioniert. Die Behandlung wirkt und regt die Neuronen der Menschenaffen an, sich zu teilen, wodurch manche von ihnen menschliche Intelligenz entwickeln. In der originalen Filmreihe ist von solchen Neuro-Enhancement-Methoden noch nichts zu sehen. Hier entwickeln Menschenaffen durch Evolution Sprache und Intelligenz, nachdem sie von Menschen als Haustiere und Sklaven eingesetzt worden sind.

Heute gibt es bereits Alzheimermedikamente, die vermeintlich leistungssteigernde Effekte auf das Gehirn haben könnten. Dass diese Menschenaffen und Menschen auf die gleiche intellektuelle Stufe befördern, ist allerdings sehr weit hergeholt, da die Leistungssteigerung durch NE heutzutage recht gering ist und keine neuen Fähigkeiten verleiht. Trotzdem ist die im Film beschriebene Wirkungsweise der kognitiven Erweiterung schlüssig. Die selbstständige Teilung von Hirnzellen ist theoretisch eine sehr effektive Methode des Neuro-Enhancements. Bereits heute versuchen Forscher auf unterschiedlichsten Gebieten Zellen zur Teilung anzuregen. Zum Beispiel um Organe aus körpereigenem Gewebe zu züchten und so einer Abstoßungsreaktion nach einer Transplantation vorzubeugen.

Dass Medikamente und Wirkstoffe auf Tiere oft andere Wirkungen als auf Menschen haben, ist bekannt und logisch in den Film miteingeflossen. Allerdings sind manche Passagen schlicht unlogisch. Menschenaffen können zwar Zeichensprache erlernen und diese auch an ihre Nachkommen weitervermitteln, wie die Schimpansin Washoe mit ihrer Adoptivtocher Loulis bewies, aber mit Worten zu sprechen lässt ihre Rachenanatomie nicht zu. Dies kann auch durch erhöhte Gehirnleistung nicht vollbracht werden.

,,Planet der Menschen”

Allerdings ist es auch im Film ein steiniger Weg zum Alzheimermedikament: Da eine Schimpansin, bei der die Therapie anschlägt, aggressives Verhalten zeigt, wird das ganze Projekt offiziell auf Eis gelegt. Die Aggression ist allerdings keine Nebenwirkung der experimentellen Behandlung. Nachdem alle Versuchstiere getötet wurden, findet ein Pfleger ein Neugeborenes in einem Käfig. Der leitende Wissenschaftler Will Rodman, gespielt von James Franco, schließt daraus, dass die Affenmutter nur ihr Junges verteidigen wollte. Er nimmt das Waisenkind daraufhin bei sich auf und zieht es groß, dokumentiert die erstaunliche Intelligenz des Schimpansen Caesar und treibt seine Forschungen auf eigene Faust weiter.

Rodmans Vater Charles, der an Alzheimer erkrankt ist, verliert zunehmend den Bezug zu seiner Umgebung. Der junge Wissenschaftler beschließt deshalb, seinem Vater das experimentelle Medikament zu spritzen. Am nächsten Morgen muss er erstaunt feststellen, dass sein Vater keine Symptome der Krankheit mehr zeigt. Als das Immunsystem von Charles das Virus besiegt, kehrt die Krankheit jedoch zurück. Rodman berichtet seinem Vorgesetzten von seinen heimlichen Forschungen. Dieser ist von den Ergebnissen begeistert und sieht in der geistigen Leistungssteigerung gewaltiges Gewinnpotenzial. Rodman entwickelt einen noch aggressiveren Virusstamm und hofft, so das Immunsystem überwinden zu können.

Als Schimpanse Ceasar in einen Streit zwischen Charles und einem Nachbarn eingreift, verletzt er letzteren. Daraufhin wird der Affe in ein Tierheim für Primaten gebracht. Kurz darauf stirbt Rodmans Vater und dem Wissenschaftler kommen Zweifel an den Geschäftspraktiken seiner Firma. Diese versucht immer schneller und skrupelloser Ergebnisse zu erzielen, ohne den neuen Virusstamm ausreichend getestet zu haben. Dieser entpuppt sich für Menschen als tödlich, als ein Mitarbeiter im Labor versehentlich mit ihm in Kontakt kommt. Caesar entflieht dem Tierheim und infiziert die anderen Menschenaffen, die mit ihm eingesperrt waren, mit dem Virus. Zusammen fliehen sie in die an San Francisco angrenzenden Redwoods.

,,Ein 50 Jahre alter Kassenschlager”

1963 erschien der französische Roman „Der Planet der Affen“ von Pierre Boulle. Fünf Jahre später wurde der Roman sehr erfolgreich verfilmt. Vier weitere Filme knüpften direkt an das Original an und erzählen davon, wie die Menschheit von Menschenaffen versklavt wird. 2001 wurde mit aufwendigen Spezialeffekten versucht, dem Klassiker neues Leben einzuhauchen. Außer dem Negativpreis für besonders schlechte Filme, der „Goldenen Himbeere“ konnte der Streifen allerdings keine Auszeichnungen gewinnen.
2011 versuchte sich der Regisseur Rupert Wyatt an der mehr als 50 Jahre alten Vorlage. Ein Kassenschlager. Der Film „Planet der Affen – Prevolution“ begeistert Kritiker, indem er die etwas angestaubte Geschichte an manchen Stellen umschreibt, sie ins 21. Jahrhundert überträgt und seine Charaktere intensiv beleuchtet. Kein Vergleich zum Actionspektakel von 2001.

Der Grundstein für den Planet der Affen ist nicht wie im Original ein atomarer Krieg, sondern eine tödliche Pandemie. Das Szenario, das im Film von 1968 angedeutet wird, lässt sich durchaus mit der Angst vor dem Ausbruch des Kalten Kriegs in den 60er Jahren in Zusammenhang bringen. Wie auch die ursprüngliche Reihe, versucht der Film an aktuelle Forschungsergebnisse und Ängste der Menschen anzuknüpfen.

„Planet der Affen – Prevolution“ wirft ein weiteres Mal die Frage auf, wohin uns Neuro-Enhancement führt und ob wir die Folgen überhaupt abschätzen können. Wie auch im Film sind Methoden zum Neuro-Enhancement in der Regel Nebenwirkungen von Medikamenten, die Wirkweise und Folgen werden deshalb nur unzureichend verstanden. Außerdem liegen zu NE-Methoden bisher kaum Langzeitstudien vor, die eventuelle Schäden am Menschen genauer beleuchten.

Text: Marcel Herzog