Eine kleine Figur eines Geschäftsmanns sitzt am Rand eines Pillenglases, aus dem einige Pillen herausfallen. (Foto: tk_presse / flickr.com)

Medikamenten-Check: Das Stimulanzium Modafinil

Hinweis
Dieser Artikel stammt aus dem Archiv des Blogs "hirn-sturm.de", den Wissenschaftsjournalismus-Studierende der h_da im Rahmen eines Vorgängerprojekts geschrieben haben. Weitere Informationen.

Modafinil ist ein Medikament gegen die Schlafkrankheit Narkolepsie. Es wird allerdings auch von gesunden Menschen genutzt, die nachts arbeiten oder im Studium und in der Schule im Lernstress sind. Neben Koffein ist die Einnahme von Modafinil eine effiziente Methode, sich wach zu halten. Dabei gibt es aber auch gesundheitliche Risiken.

Wirkungsweise

Modafinil ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Es gehört zu den Psychostimulanzien und macht die Patienten aufmerksamer und wacher. Außerdem wird das Bedürfnis zu schlafen unterdrückt. In Deutschland wird der Wirkstoff Modafinil unter dem Handelsnamen Vigil vertrieben. Das Medikament wird vor allem an Narkolepsie-Patienten verschrieben, die unter ständigen Schlafanfällen leiden. Zum Teil wird es auch Menschen mit chronischen Schlaf-Wach-Rhythmus-Störungen verordnet. In der Vergangenheit wurde in solchen Fällen der mit hohem Suchtpotenzial belastete Arzneistoff Amphetamin verschrieben.

Die genaue Wirkung Modafinils im Gehirn, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass es Einfluss auf die Bildung von Neuro-Peptid-Hormonen im Hypothalamus hat, die das Essverhalten und den Schlafrhythmus steuern. Nach zehn bis zwölf Stunden ist die Hälfte der Stoffkonzentration im Blut über die Leber abgebaut und die Wirkung lässt deutlich nach. Die Abbauprodukte werden über die Nieren ausgeschieden.

Modafinil als Neuro-Enhancer

Modafinil wird von deutschen Ärzten auch gegen das so genannte Schichtarbeiter-Syndrom verschrieben, das bei Nachtschicht-Arbeitern auftritt. Dies ist keine Krankheit, sondern ein häufiges Problem bei Jobs, die in der Nacht ausgeübt werden müssen. Die Umwelt signalisiert dem Körper bei Nacht eine Ruhephase und am Tag eine Wachphase. Abends schüttet der Körper das Schlafhormon Melatonin aus und tagsüber das Hormon Serotonin, das zum Wach-Zustand beiträgt. Dies lässt sich auch nicht durch regelmäßigen Schlaf während des Tages ändern, da unser Körper seit Urzeiten an diesen Schlaf-Wach-Rhythmus gewöhnt ist und den Mechanismus beibehält. Das führt bei vielen Nachtschichtarbeitern unter anderem zu Müdigkeitsattacken und einer Störung im Schlaf-Wach-Rhythmus. Deshalb kann Modafinil für diejenigen, die allein durch Kaffee und Zucker nicht mehr wach bleiben können, als Neuro-Enhancer dienen, um auch nachts effektiver arbeiten zu können.
Modafinil macht es sogar möglich, mehrere Tage ohne Schlaf wach zu bleiben. Das ist natürlich nicht gesund, da der Körper den Schlaf benötigt, auch wenn das Gehirn durch das Medikament nicht zum Schlaf drängt.

Studien

Die Wirksamkeit von Modafinil wurde bereits mehrfach in Studien bewiesen. So zeigten Probanden in einer Studie der University of Cambridge eine deutliche kognitive Leistungssteigerung bei einer Dosierung von 100 bis 200 Milligramm des Wirkstoffs Modafinil. Eine Studie von dem amerikanischen Pharmaunternehmen Cephalon, die in Zusammenarbeit mit Schlaflaboren in den USA und Kanada durchgeführt wurde, zeigte, dass Schichtarbeiter damit nachts besser wach bleiben konnten.

Vom Hochschul-Informations-System wurden Studenten dazu befragt, ob sie Arzneimittel konsumieren, um die Leistung ihres Gehirns zu steigern. Diese Umfrage zeigt, dass einige Medikamente, unter anderem auch Modafinil aufgrund der wachhaltenden und konzentrationsfördernden Wirkung zunehmend als Hirndoping angewendet werden. So wird es zum Beispiel vor Klausuren oder der Arbeit konsumiert. Laut der Studie nutzen zwölf Prozent der befragten Studenten regelmäßig Mittel zur Leistungssteigerung, wobei in der Umfrage aber auch nach rezeptfreien Pillen, wie Koffeintabletten gefragt wurde.

Nebenwirkungen

Obwohl die stimulierende Wirkung der von Amphetaminen ähnelt, sind die häufigsten Nebenwirkungen von Modafinil im Vergleich überschaubar. Bei knapp zehn Prozent der Patienten treten Kopfschmerzen auf. Weiterhin gibt es viele Nebenwirkungen, wie beispielsweise Essstörungen, Übelkeit oder Nervosität, die bei knapp einem Prozent auftreten.
Zusätzlich weisen, je nach Dosis des Medikaments, Bluttests erhöhte Leberfunktionswerte auf, die normalerweise für Alkoholkonsum typisch sind. Modafinil gilt allgemein als nebenwirkungsarmes Medikament. Die Langzeitwirkungen wurden allerdings noch nicht untersucht.

Text: David Kreienbruch