Eine Hand hält einige weiße Tabletten, im Hintergrund sind weitere Pillenpackungen zu sehen.

Medikamenten-Check: Das Antidepressivum Fluoxetin

Hinweis
Dieser Artikel stammt aus dem Archiv des Blogs "hirn-sturm.de", den Wissenschaftsjournalismus-Studierende der h_da im Rahmen eines Vorgängerprojekts geschrieben haben. Weitere Informationen.

Fluoxetin wurde 1990 in Deutschland als Antidepressivum eingeführt. Auf diesem Therapiegebiet ist es seit dem marktführend. Das Medikament wird aber auch von Gesunden genutzt. Ziel dieser Menschen ist es „gut drauf“ zu sein und persönliche Schwächen zu überbrücken.

Wirkungsweise

Fluoxetin ist im Handel als Prozac oder Fluctin bekannt. Diese Medikamente gehören zu den selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRIs). Sie verhindern den Abbau des Botenstoffes Serotonin. Dieses “Glückshormon” soll möglichst lange im Gehirn verbleiben und dort seine Wirkung entfalten. Deshalb wird es als Mittel gegen Depressionen, Zwangsstörungen und Bulimie eingesetzt.

Fluoxetin als Enhancer

Manche nehmen es aber auch als Stimmungsaufheller. In den USA ist Fluoxetin unter dem Namen Prozac längst zur Mode- und Partydroge geworden – nicht zuletzt seit dem Bestseller „Listening to Prozac“ von Peter D. Kramer. Er traut dem Wirkstoff sogar zu, die Persönlichkeit zu ändern – Schüchternheit oder mangelndes Selbstwertgefühl wären kein Thema mehr.

Studien

Studien der Uni Mainz und der Krankenkasse DAK haben diese Wirkungen allerdings nicht nachweisen können. Bei Gesunden zeigten sich keine oder nur minimale Effekte auf die Stimmung oder soziale Fähigkeiten. Eine Verbesserung des Selbstvertrauens konnten die Forscher auch nicht beobachten. Sogar der Hersteller Eli Lilly betont: „Die Hypothese, dass Prozac die Persönlichkeit ändern kann, ist wissenschaftlich weder untersucht noch belegbar.“

Nebenwirkungen

Die Mainzer Studie hat im Gegenteil festgestellt, dass Fluoxetin in den ersten Wochen der Einnahme die Selbstmordgefahr erhöht. Der Grund dafür ist, der antriebssteigernde Effekt des Medikaments, der sofort einsetzt. Während sich die antidepressive Wirkung erst nach einigen Tagen bis Wochen bemerkbar macht. Das führt dazu, dass die Patienten ein erhöhtes Verlangen verspüren sich selbst zu verletzen oder Suizid zu begehen. Dies war vor allem bei Probanden unter 25 Jahren der Fall.

Weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit und Durchfall. Auch Angst, Desorientiertheit und Störungen der Sexualfunktion können auftreten. Langfristige Schädigungen sind noch nicht bekannt.

Für Fluoxetin gilt das, was für alle als Neuro-Enhancer eingesetzten Mittel gilt: Das Gehirn lässt sich nicht in Teilen verbessern, ohne zugleich an anderen Stellen Einfluss zu nehmen. Wolfgang Tress, Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, sagt, dass das Gehirn ein “bereits optimales System” sei, das “eigentlich nicht zu toppen ist”.

Englischsprachiges YouTube-Video zur Wirkungsweise von Fluoxetin:

Text: Marie Mink