Ein Mann sitzt auf dem Boden, vor ihm ausgebreitet sind zahlreiche Blätter.

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Dieser Artikel stammt aus dem Archiv des Blogs "hirn-sturm.de", den Wissenschaftsjournalismus-Studierende der h_da im Rahmen eines Vorgängerprojekts geschrieben haben. Weitere Informationen.

In einem Musterbeispiel für Neuro-Enhancement zeigt der Film „Ohne Limit“ das, wovon wohl nicht nur Pharmakonzerne träumen: Der erfolglose Autor Eddie Morra bekommt vom windigen Bruder seiner Ex-Freundin eine Wunderpille, die ihm eine fast unmenschliche Intelligenz und Auffassungsgabe beschert.

Was ist eigentlich Neuro-Enhancement? Viele würden antworten, dass normale Menschen mit Hilfe von Medikamenten intelligenter werden. Genau darum geht es im Film „Ohne Limit“ (engl. „Limitless“), der auf dem Science Fiction Roman „The Dark Fields“ von Alan Glynn basiert.

Der Protagonist Eddie Morra ist das, was man gemeinhin als Versager bezeichnet. Er ist ein Autor, der es nicht einmal schafft, mit dem Schreiben seines Buches anzufangen und in einer unaufgeräumten Bruchbude lebt, deren Miete er sich nicht leisten kann. Außerdem hat sich seine Freundin, die nicht mehr mit seiner Lethargie zurechtkommt, von ihm getrennt.

Als er jedoch den Bruder einer ehemaligen Freundin, einen bekannten Drogendealer, trifft, soll sich alles ändern. Dieser gibt ihm nämlich eine Wunderpille, die all seine Konzentrations- und Motivationsprobleme lösen soll: NZT-48.

Als Eddie die wie eine Glasperle aussehende Tablette einnimmt, scheint ihm die Welt eine andere zu sein. Er erkennt Bücher an einer Ecke des Einbandes, die er Jahrzehnte zuvor nur im Vorbeigehen zwar gesehen, aber nicht bewusst wahrgenommen hat. Er kann Wissen, das er nebenbei bei Dokumentationen oder in Zeitungsartikeln aufgeschnappt hat, zu einem zusammenhängenden Bild zusammenfügen. Außerdem nimmt er alle Sinneseindrücke viel intensiver wahr.

Nachdem er die Dosis immer weiter erhöht, findet er heraus, dass alle, die die Droge zu sich genommen haben, kurze Zeit später schwer erkrankt oder sogar gestorben sind. Er darf NZT-48 keinesfalls plötzlich absetzen, da ihm sonst dasselbe Schicksal droht. Die einzige Möglichkeit, die er hat, ist, die Dosis langsam zu reduzieren um von der Abhängigkeit loszukommen.

Allerdings arrangiert er sich sehr gut damit. Er schreibt sein Buch innerhalb von vier Tagen zu Ende, lernt Sprachen indem er sie nebenbei hört und bekommt einen hochbezahlten Job als Alleskönner bei einem Börsenunternehmen. Seine Freundin, der er zunächst nur von einem Sinneswandel erzählt, kommt ebenfalls zu ihm zurück.

Doch er rutscht auch immer weiter in den kriminellen Sumpf ab. Viele Leute sind wegen der Droge hinter ihm her, unter anderem ein Kredithai, von dem er sich Geld für ein paar Börsengeschäfte geliehen hat.

Am Ende schafft er es, sich aus dem Sumpf zu befreien und eine Karriere in der Politik anzustreben. Er ist weiterhin hochintelligent, hat wie vorher gesagt wird angeblich einen vierstelligen IQ – und das ganz ohne NZT-48. Er hat den Stoff immer weiter entwickeln lassen, bis er so gut war, dass eine dauerhafte Wirkung ohne weitere Dosen des Mittels eintrat. Er sagt, das Mittel habe seine Synapsen verändert und ihn so, unabhängig von jeglicher Medikation, zu einem tatsächlichen Übermenschen gemacht.

Im Film wird der Zuschauer dazu verleitet, seine Meinung zu Hirndoping ständig zu ändern. Zuerst ist es eine Wunderwaffe, die dem Protagonisten ein Traumleben ermöglicht. Dann entwickelt sich alles zu einem Alptraum. Er bekommt immer wieder Filmrisse und wird krank. Kurz darauf überwindet er all das dank der Droge und wird wieder erfolgreich. Ähnliche Geschehnisse und Wendungen ziehen sich durch den ganzen Film.

Und genau das verdeutlicht auch eines der großen Probleme des Neuro-Enhancement. Man kann nie genau sagen, ob es etwas Gutes oder etwas Schlechtes ist. Auf jede neue Wirkung, die ein solches Mittel hat, wird eine neue Nebenwirkung entdeckt. Kurz nach einer neuen Nebenwirkung wird ein neues, scheinbar optimales Anwendungsgebiet ausgemacht.

Der Film zeigt auch die Problematik der möglichen Legalisierung oder auch der Nicht-Legalisierung von Substanzen zum Neuro-Enhancement. Auf der einen Seite lässt sich argumentieren, dass man gezwungen ist, sich ins illegale Milieu zu begeben, wenn man seine geistige Leistung durch Medikamente steigern will. Man würde die Mittel sonst nirgendwo bekommen und man könnte sich nie sicher sein, was für Mixturen die Kriminellen in ihren Laboren zusammenkochen.

Eine Legalisierung wäre jedoch möglicherweise auch sehr problematisch. Sollten die Pillen so teuer wie im Film sein (eine kostet 800 Dollar), könnten sie sich nur einige wenige Privilegierte leisten. Das würde einen weiteren Vorsprung der oberen Gesellschaftsschicht bedeuten, der für die unteren Schichten praktisch nicht mehr einholbar wäre. Eine Spaltung der Gesellschaft wäre zementiert.

Der Film „Ohne Limit“ ist ein spannender Film, der für jeden, der am Thema Neuro-Enhancement und Hirndoping interessiert ist, zum Pflichtprogramm gehört.

Jetzt den Trailer zu „Ohne Limit“ anschauen:

 Text: Dustin Grunert