Zwei silberne Packungen mit rosa Pillen.

Eine Pille voller Möglichkeiten

Disclamer: Der folgende Kommentar spiegelt nicht die persönliche Meinung der Autorin wider.

 

Neuro-Enhancement wird in vielen Diskussionen verteufelt: Es sei ungerecht. Das Ende unserer sozialen Gesellschaft. Eine posthumane Entwicklung.

So einfach ist das aber nicht: Neuro-Enhancer nur wegen ein paar Gegenargumenten direkt aufzugeben, kann nicht die Lösung sein. Vermeidbar ist die Entwicklung zur gedopten Gesellschaft wahrscheinlich nicht mehr. Selbst das Gehirn-Doping zu verbieten, wird vermutlich nichts bringen. Seit wann wird etwas weniger interessant, wenn es illegal wird?

So unvermeidbar wie die Smartphone-Revolution?

Das Internet und Smartphones wurden in unserer Gesellschaft zunächst mit Skepsis und Argwohn betrachtet. Und wurde später die unterhaltsamste Quelle für Online-slot spielen, Streaming-Videos oder sogar zum Durchsuchen von Informationen. Heute hat fast jeder einen kleinen Alleskönner in der Tasche – und wer keinen hat, der bleibt dran. Dies ist im Moment auch bei Neuro-Enhancern der Fall. Wer heute privat oder beruflich dopt, hat einen Vorteil. So wie Sie sich entscheiden, Ihr Handy morgens aufzuladen oder die Versicherung Schwere Krankheiten Versicherung zu wechseln, mit der Sie arbeiten können, treffen einige auch die Entscheidung, jeden Tag zu doping.

Allgemein gesprochen können Neuro-Enhancer menschliche Leistungsmerkmale gezielt, effektiv und nebenwirkungsarm manipulieren. Relativ unproblematisch sehe ich hier das private Doping. Wenn jemand, um seine Lieblingsmusik intensiver zu erleben, oder um Bücher schneller lesen zu können, Neuro-Enhancer nimmt, dient das nur seinem persönlichen Glücksstreben. Das sollte jedem freigestellt sein.

Gerechtigkeit durch Doping?

Mit den richtigen Enhancern könnten wir außerdem unsere Gesellschaft optimieren, unseren stressigen Alltag einfacher und sicherer gestalten. Wache LKW-Fahrer, konzentrierte Chirurgen und ausdauernde Forscher würden für eine sicherere und produktivere Gesellschaft sorgen. Möglich wären künftig auch Mittel, die die Agressionsbereitschaft senken oder die Empathiefähigkeit steigern.

Würde der Staat in gewissen Maße einen freien Zugang zu Neuro-Enhancern bieten, könnte es außerdem eine gerechtere Gesellschaft geben. Bei Neuro-Enhancement geht es nicht darum, die Dopenden zu Supermenschen zu machen. Viele sehen darin auch die Möglichkeit, durch natürliche Lotterie entstandene Ungleichheiten auszugleichen.

Die Lösung?

Wichtig ist es, für den „sozialen“ Einsatz von Neuro-Enhancern ein paar Spielregeln aufzustellen. Es sollte keinen unfairen Missbrauch durch Neuro-Enhancer geben. Enhancement müsste offen geschehen, im Sinne von „wer dopt, gibt dies auch zu“. Außerdem sollte ein fairer Zugang für alle gesichert sein, um finanzielle Ungerechtigkeiten auszugleichen..

Neuro-Enhancer als Lösung für viele Probleme unserer heutigen Gesellschaft – vielleicht sogar als Lösung für unseren Planeten? Der britische Bioethiker John Harris hat schon 2007 gesagt, unser Umweltproblem sei ohne den Einsatz neuer Technologien, auch am Menschen selbst, kaum noch zu lösen. Ein Denkanstoß, den man in zukünftigen Klimakonferenzen berücksichtigen sollte?

 

Hannah Lesch